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Georgie Nettell, Rich and Famous Magazine, Good and Cheap Translators
Curated by Noah Barker and Timothy Kelly
24 August - 24 September

Originally published in Texte Zur Kunst, Nr. 2, "Was ist social history?", March 1991. Double dubbed by Good and Cheap Translators.

Innerhalb des Raumes Friesenwall 120, mit seinen gesammelten Informationen, geht es nicht um einen festgelegten, bestimmten Raum – zumindest nicht, was die Sammlung von Zeitungen, Büchern und Filmen angeht.  

Der Raum wird eher von den Eigenschaften und Limitierungen seiner Sammlungen bestimmt. Unter Berücksichtigung der Umstände ihrer Zusammenstellung, Klassen und Motive, ihrer Zufälligkeiten, handelt es sich vielmehr um eine Mustervorlage, ein Modell, das die Aufgaben von Leihgeber*innen, Sammler*innen und Administrator*innen festlegt. 

Die Absichten, die Eigenschaften des präsentierten Materials sind teilweise definiert (je größer die Wahrscheinlichkeit, etwas „ganz Bestimmtes“ zu finden, desto niedriger der Wert des Raumes selbst) und teilweise offen und unklar belassen. Die Eigenschaften sind insofern die Eigenschaften anderer (Räume, Sammlungen, Verteiler), als dass die Archive von anderen miteinbezogen werden. Und wenn dieser Raum durch und an den Grenzen existiert, die sich aus den Verbindungen zu anderen Räumen ergeben, dann kann es keine Neutralität geben. Die Präsenz anderer Archive (welche mitunter zu einem Archiv der Archive führen kann), bewegt die Materialien so lange durch einen Spielraum, bis der Index schließlich selbst zum Statement wird.

Der F-Raum jedenfalls ist kein neutraler Raum, denn er sammelt die Botschaften der „anderen“ Quellen, die an den Randgebieten der breiteren Öffentlichkeit zu finden sind, wo sie ansonsten vielleicht ungehört geblieben wären. Daraus beschwört der F-Raum einen Geist allseits bekannter, historisch entleerter, möchtegern-bedeutungsvoller Vorstellungen des Austausches und der Distribution (Kooperative, Netzwerke u.s.w.) und stellt sie quantitativ wieder her, auch auf der Ebene des Treffens von Entscheidungen und der Selektion. So finden sich in diesem Raum auch die Überreste jener Vorstellungen wieder, die von der Möglichkeit einer abweichenden Eigenschaft des Gebrauchswerts verschoben wurden. 

Der andere Gebrauchswert des Raums Friesenwall 120 ist dessen Verhältnis zu ansonsten separaten Räumen und Materialien (Galerien).

Die Art dieses Verhältnisses lässt sich noch nicht bestimmen. Auch sind die Argumente gegen diese Modelle, die entweder in den Hintergrund gedrängt oder dort liegen gelassen wurden, schon lange bekannt. Heute jedoch, wie sich am Friesenwall 120 zeigt, erweisen sie sich als effektiver und verknüpfbarer – gerade, weil der F-Raum als Modell an anderen Orten wiederholt, dupliziert und fortgeführt werden wird.

Josef Strau

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